Hautfunktionstests und labordiagnostische Verfahren erweitern die klinische Untersuchung und stellen eine wesentliche Hilfe bei der Beurteilung von Hautkrankheiten dar.
Wir möchten Sie hierbei in der täglichen Praxis mit diagnostisch relevanten Untersuchungsverfahren unterstützen und bieten Ihnen dafür folgende Hautfunktionstests an:
Indikation:
Ekzeme, insbesondere Dermatitis atopica
Ziel:
Prüfung auf paradoxe Gefäßreaktion zur Abgrenzung der Dermatitis atopica von phänotypisch ähnlichen nicht-atopischen Ekzemen.
Grundlagen:
Nicht-Atopiker reagieren auf lokale Applikation von Nicotinsäureester mit Hautrötung durch Vasodilatation, Atopiker hingegen mit Abblassung („delayed blanch“) oder zumindestens fehlendem Erythem. Infolge einer abnormen Regulation der Mikrozirkulation des Atopikers kommt es zu erhöhter Permeabilität tieferer Gefäße mit Ödembildung und möglicherweise durch ödem-bedingte Kompression zu Vasokonstriktion der oberflächlichen Gefäße. Der Test kann zur differentialdiagnostischen Klärung beitragen, ob z.B. einem Lidekzem, dyshidrotischen oder degenerativen Handekzem eine atopische Diathese zugrundeliegt. Ein pathologischer Testausfall wurde auch bei rheumatoider Arthritis und Sklerodermie beobachtet.
Testmaterial:
Nicotinsäureester-Lösung
Durchführung:
Testlösung mit einem Wattestäbchen in Kreuzform an Rücken oder Unterarmbeugeseite, ggf. auch auf geringer ekzematisierter Haut auftragen.
Beurteilung:
Beim Atopiker sichtbare Abblassung innerhalb von 15 Minuten oder zumindest Ausbleiben eines Erythems beim Nichtatopiker, Hautrötung, bei empfindlicher Haut ggf. leichte urticarielle Reaktion.
Sie können sich auch Fotos der Hautreaktion ansehen:
Indikation:
Ekzeme, insbesondere Berufsekzem.
Ziel:
Beurteilung der Permeabilität/Barrierefunktion der Hornschicht nach Therapie (Rehabilitation).
Grundlagen:
Trotz klinischer Ekzemabheilung bleibt zunächst infolge minderwertiger Hornschicht eine unspezifische Empfindlichkeitssteigerung der Haut bestehen. Belastung zu diesem Zeitpunkt führt oft zum Rezidiv, die erhöhte Hornschichtpermeabilität begünstigt das Entstehen von Kontaktallergien. Gesunde Hornschicht (pH im sauren Bereich) ist undurchlässig für Nitrazingelblösung. Bei geschädigtem Stratum corneum ermöglichen Hornschichtdefekte das Eindringen von Testlösung in lebende Epidermisschichten (pH 7) mit Farbumschlag des Indikators. Der Test wird i.a. 1 bis 4 Wochen nach klinischer Symptomfreiheit negativ. Mit vollständiger Rehabilitation / Arbeitsfähigkeit ist i.a. nach weiteren 1 bis 3 Wochen zu rechnen.
Testmaterial:
Nitrazingelblösung 1%
Durchführung:
Testung erstmals in Abheilunsphase, danach 1 bis 2 mal pro Woche bis zum Negativwerden. Keine Lokalbehandlung oder Seifenreinigung für 12 Stunden vorher. Testlösung im gebesserten / abgeheilten Ekzem-Areal gleichmäßig mit Watteträger ausstreichen. Nach 1 Minute mit feuchtem Tupfer abwischen, ablesen.
Beurteilung:
Negativ: Gelbliche Färbung (intakte Barrierefunktion)
Positiv: Feine, blauschwarze Punkte oder Linien
Unbewertet: Große, blaue Punkte (Exkoriationen)
Der mikroskopische Direktnachweis von Pilzen im Nativpräparat
Nach vorausgegangener Mazeration der Hautzellen durch KOH oder TEAH färbt Chlorazolschwarz-Lösung innerhalb kürzester Zeit selektiv chitinhaltige Substanzen. Die Wände der Pilzhyphen und Pilzsporen enthalten im Vergleich zu Körperzellen Chitin. Sie werden daher dunkelgrün angefärbt.
Bakterien, Hautschuppen und Haare enthalten kein Chitin und werden demzufolge nicht grün angefärbt; sie erscheinen im mikroskopischen Bild in der ursprünglichen roten Substanzfarbe.
Ihr Vorteil:
Sie wissen nach Anwendung der Selektivfärbemethode sofort, ob Pilzelemente im Nativpräparat vorliegen.
Und so wird’s gemacht:
Bitte beachten Sie:
Bei sehr kompakten Untersuchungsmaterial (Nagel, Haar, stärker verhornte Areale des Hand- und Fußbereichs) ist die selektine Grünfärbung der Pilzelemente nach einer 5 – 10 minütigen Wartezeit noch intensiver.
Soll ein Nativpräparat möglichst schnell – z.B. noch im Beisein des Patienten – ausgewertet werden, bietet sich eine 10% TEAH (Tetraethylammoniumhydroxid)-Lösung an.
TEAH ist eine agressiv wirkende Substanz, die sich zum schnellen Auflösen von Hautzellverbänden und zum Freisetzen der möglicherweise in den Zellen enthaltenen Pilzelemente eignet.
Und so wird’s gemacht:
Achtung:
Das Untersuchungsmaterial sollte unbedingt bereits nach wenigen Minuten durchgemustert werden, da TEAH nach längerer Expositionszeit auch Pilzelemente aufdauen kann. Wird ein Präparat erst nach Stunden untersucht, kann der Zersetzungsprozeß so weit fortgeschritten sein, daß keine Pilzelemente mehr nachweisbar sind.